Karriere²

Nach der eigenen Profi-Karriere „irgendetwas mit Sport“ zu machen, ist das Äquivalent von „irgendwas mit Medien machen“ vieler Athleten. Maggie Skuballa (29), Basketballerin bei Nantes Rezé Basket und Psychologie-Studentin, über die Karriere nach der Karriere und Ängste vor dem Berufseinstieg jenseits der Dreißig.


Ich war auf jeden Fall noch sehr jung, als ich für mich beschlossen habe, Basketball zu meinem Beruf machen zu wollen. Dadurch dass ich schon mit 14 angefangen habe, in der U16 Nationalmannschaft zu spielen und Basketball sich durch meine ganze Jugend gezogen hat und ich auch relativ erfolgreich war, wusste ich schon relativ schnell, ich möchte das machen. Ich hatte hier in Hamburg durch das Erstligateam damals auch einen guten Standort um zu sehen, wie das Profigeschäft bei den Damen so abläuft.

Mir war dann auf jeden Fall schnell klar, dass ich erste Liga spielen und in der Frauennationalmannschaft auflaufen will. Mit dem Wechsel nach NRW noch vor meinem Abitur war der Schritt dann klar: Ich habe meine Heimat verlassen, ich hab meine Familie verlassen, um Basketball zu spielen. Auch während ich das Abitur gemacht habe war klar, ich will weiter Leistungsbasketball spielen. Ich hab leider den Schritt, ins Ausland zu gehen, damals noch nicht gemacht. Aber ich hatte im Kopf „Du musst aber auch irgendwas für deine Zukunft machen!“ Das ist ja – gerade hier in Deutschland – schon immer so eine Sache. Das ist zumindest das was ich mitkriege, wenn ich in Frankreich spiele, wo die Jungspielerinnen weniger diesen Druck spüren.

Das ganze soziale Umfeld spielt bei diesem Gedanken natürlich eine große Rolle. Alle meine Freunde, meine Familie haben alle das „normale“ Ding gemacht. Abitur gemacht und dann studiert oder eine Ausbildung angefangen. Und selbst die meisten Basketballerinnen, mit denen ich zu tun hatte, haben alle irgendwas nebenbei gemacht. Meine Eltern waren dabei immer super entspannt und haben mir vertraut, dass ich mein Ding mache. Aber natürlich hat man immer im Hintergrund „Was ist nach der Basketballkarriere?“. Ich habe drei große Schwestern und habe gesehen, was die aus ihrem Leben machen. So hatte ich schon früh das Gefühl, nicht mit 30 dastehen zu wollen und keinen Plan B zu haben.

Basketball statt „normaler“ Job

Es ist definitiv ein Unterschied ob man sich für einen klassischen Berufsweg oder für Profisport entscheidet. Selbst wenn man das Zeitliche mal weglässt: Im Sport ist es irgendwann vorbei, irgendwann kann der Körper einfach nicht mehr. Für mich wäre es nie in Frage gekommen, tagtäglich nur diesen Sport zu machen. Ich brauche einfach einen Ausgleich für meinen Kopf, mehr Input was andere Dinge angeht. Man braucht auf jeden Fall einen gewissen Intellekt um Sport zu machen, das gehört ja auch dazu. Würde ich nur zweimal am Tag ins Training rennen, hätte ich immer das Gefühl, da kommt irgendwas zu kurz. Es gibt natürlich die körperliche Komponente, die an den Kräften zehrt, und den emotionalen Stress – beides Dinge, die mit Sicherheit wiederherum Leute, die einen ganz normalen Job haben, unterschätzen. Aber – zumindest im Basketball mit seinen zwei Trainingseinheiten am Tag – ist es schon ein Unterschied, zu Leuten, die jeden Tag acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten.

Mittlerweile hab ich gar keinen Zeitplan mehr, was die Karriere nach der Karriere angeht. Ich hatte ihn mal grob. Als ich Anfang 20 war, habe ich mir gedacht: „Länger als bis 30 machst du das nicht.“ Aber den Zeitplan hab irgendwann doch über Bord geworfen. Wie man sieht, ich bin fast 30 und ich spiele noch und weiß absolut nicht, wie lange noch. Es gibt viele Punkte, die mit dem Karriereende in Verbindung stehen: Privatleben, gerade bei uns Frauen die Familienplanung, wann will man ins Berufsleben einsteigen und wie lange macht der Körper noch mit?

Die Tatsache, in Frankreich zu spielen, ist dabei für mich noch einmal ein besonderer Faktor, da ich diesen Job sehr ernst nehme. Der Zeitaufwand ist gleich- außer dass die Auswärtsfahrten länger dauern – aber dort ist sind die Strukturen im Damenbasketball professioneller. Ich bin da als Ausländerin nach Nantes geholt worden und als Jemand, von dem ganz klar erwartet wird, dass sie Leistung zu bringen hat. Für mich ist es also nochmal ein anderes Gefühl zu wissen, dass ich für den Verein nur da bin, um Basketball zu spielen. In Deutschland war es immer so, dass die Trainer wussten, ich mache nebenher noch ein Studium, ich habe noch etwas anderes. Für mich war das Studium dabei immer wichtig, aber Basketball steht immer an erster Stelle. Und wenn das bedeutet, dass ich eine Klausur ein Semester nach hinten schieben musste, war das für mich eigentlich nie ein großes Problem, wenn ich beim Basketball dafür alles geben konnte.

Letztes Jahr, als ich nach Frankreich zurückgegangen bin, habe ich meinen Master in Psychologie an der Fernuni Hagen angefangen. Für mich ist es natürlich perfekt, dass es den Psychologiemaster an einer Fernuni gibt, weil es mir nur so überhaupt möglich ist, im Ausland weiter zu studieren. Aber es erschwert das Studium natürlich, weil es sehr schwer ist, sich durchgängig alleine zu motivieren und sich zu Hause hinzusetzen und alle Dinge zu erledigen. Aber auf der anderen Seite hat mir das Fernstudium ermöglicht, wieder nach Frankreich zu gehen. Mir ist es sehr wichtig, einen Master zu machen und bisher bekomme ich das ganz gut auf die Reihe.

Angst vor dem Berufseinstieg jenseits der 30

Es ist ein großes Thema für mich, dass ich im Hinterkopf habe, dass ich nach dem Studium keine Berufserfahrung habe. Ich habe so gut wie noch kein Praktikum gemacht und bin dann in einem Alter, in dem andere Leute schon viele Jahre gearbeitet haben. Das fängt schon an, in meinem Kopf herumzuschwirren und bringt eine gewisse Unsicherheit mit sich. Finde ich etwas und vor allem finde ich was, mit dem ich zufrieden und glücklich bin? Und das ist wiederherum ein Punkt, der dazu führen kann, dass man die Karriere früher beendet als man sie beenden möchte, aus Angst, dass man mit 35 erst recht keinen Job mehr findet. Ich habe auch das Gefühl, ich würde in Frankreich einfacher einen Job finden – wenn wir jetzt einmal das Problem der Sprache außen vorlassen – als in Deutschland, weil es in Frankreich viel mehr zählt, wenn man eine weibliche Basketballerin ist. Wenn man da eine Profikarriere in anderen Sportarten hinlegt, dann wird einem der Berufseinstieg deutlich einfacher gemacht.

Sportpsychologie wäre ein Weg, den ich sehr gerne gehen würde, der aber definitiv in Deutschland nicht einfach ist zu gehen. Ich werde es auf jeden Fall probieren. Wenn das klappen sollte, denke ich schon, dass ich einen großen Vorteil mitbringen würde, da ich seit zig Jahren Leistungssport mache. Das ist ja nichts Ungewöhnliches. Ich wäre ja wirklich nicht die erste Athletin, die dem Sport-Umfeld auf die eine oder andere Weise auch nach dem Karriereende treu bliebe, um ihre Erfahrung und ihr Wissen einzubringen.
Aber es kann natürlich genauso gut sein, dass es in eine komplett andere Richtung geht. Wenn ich meinen Master habe und den Berufseinstieg wähle, werde ich Bewerbungen in viele Richtungen schreiben. Der Impuls, „etwas mit Sport“ zu machen, ist auf jeden Fall da. Ich fand Sportpsychologie schon immer super spannend und habe im Laufe meiner Karriere mitbekommen, wie wichtig es für Sportler sein kann und dass es auch noch viel zu wenig genutzt wird. Aber man muss einfach abwarten, wie sich der Weg dieser Sparte verändert, vor allem, da sie in Deutschland auch noch sehr klein ist.

Trotz all der Schwierigkeiten und Ängste in Bezug auf die Zukunft – ich würde jederzeit wieder eine Karriere im Profisport anstreben. Der Sport hat mir so viel gegeben. Klar, es ist mein Job, aber ich würde diesen Job heute auch nicht mehr machen, wenn ich ihn nicht so sehr lieben würde.

Foto: Laury Mahe

Maggie Skuballa
Wenn jemandem der eigene Nachname schon eine Sportart in die Wiege legt, dann Maggie Skuballa. Die 29-Jährige Nationalspielerin ballt seit Jahren auf höchstem internationalem Niveau, aktuell in Nantes, Frankreich.

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