Geist über Materie

Statt nach abermaliger Verletzung den Kopf hängen zu lassen, steckte Luis Figge ihn lieber in Bücher. Der 20-Jährige Guard der Basketball Löwen Braunschweig darüber was er gelernt hat und warum er jetzt Influencer für Krypto-Währungen ist.


Wenn man sich innerhalb von nur 13 Monaten drei Brüche zuzieht (zwei davon sogar am gleichen Knochen), dann sind natürlich Fragen von Außenstehenden wie „Wird der Junge überhaupt jemals wieder fit?“ unvermeidbar. Für mich selbst hat sich diese Frage allerdings nie gestellt! Der erste Bruch, ein Ermüdungsbruch, ist so gut verheilt, dass ich damit überhaupt keine Probleme mehr habe. Der zweite Bruch war eine Jones-Fraktur im 5. Mittelfußknochen des linken Fußes, eine Verletzung die oftmals fälschlicherweise auch „Tänzer-Fraktur“ genannt wird. [Keine Angst, dieser Artikel dient nicht dazu, meinen Wechsel in eine andere Sportart anzukündigen.] Der dritte Bruch war dann einfach Pech oder Schicksal, wie auch immer man das nennen möchte.

Als ich mir den dritten Bruch zuzog war mir somit schon bewusst, dass wieder eine Pause von drei Monaten auf mich zukommen würde. Nach einer Woche habe ich aber gemerkt, dass es absolut Garnichts bringt, Trübsal zu blasen. Ich habe mich gar nicht erst in einen Trott oder gar eine Depression fallen lassen, sondern habe überlegt, was ich aus der Situation mitnehmen kann. Mir ging es dabei nicht nur darum, mich mental von der Verletzung abzulenken, sondern vor allem auch darum, mich weiterzuentwickeln und selber voranzukommen.

Die Zeit der Verletzung, in der man sich zwar körperlich auf die Reha, mental aber nicht zu stark auf Basketball konzentrieren muss, hat mir viel dabei geholfen, mich selbst zu finden. Bei jedem Schritt, den ich gemacht habe, habe ich realisiert wie ich mich entweder zu mir hin oder von mir selbst wegbewege. Das war eine Art Selbsterkundungsphase, während der ich mich auch in viele unterschiedliche Bereiche eingelesen habe. Das Ergebnis dieser Recherche war, dass ich den mentalen Aspekt der Verletzung dabei schon instinktiv richtig angegangen bin. Ich habe meine Mitspieler nie durch meine eigene Verletzung runtergezogen, da ich auch nie darüber gemeckert habe. Ich habe mich sehr schnell mit der Situation abgefunden und realisiert, dass ich sowie nichts daran ändern kann. Ich bin also trotzdem täglich mit einem Lächeln ins Training gegangen und habe mich bemüht, möglichst positive Energie zu verbreiten. Andere an meinem Leiden teilhaben zu lassen hätte das Ganze nur unnötig multipliziert, was für mich keinen Sinn ergeben hat.

Heute merke ich nachträglich, wie viel mir diese positive Herangehensweise gebracht hat. Ich bin super in die Mannschaft integriert und habe trotz der Verletzung eine Menge mitbekommen. Auch körperlich habe ich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Auch wenn man das nach einer Verletzung eigentlich nicht so sagen kann fühle ich mich so fit wie noch nie, körperlich wie auch mental.

Bevor ich aus meiner Heimatstadt Paderborn weggezogen bin war ich noch komplett in meiner Komfortzone, doch mit der ersten Saison in Braunschweig kamen die erste eigene Wohnung und das Leben auf eigenen Füßen. Diese Umstellung war zwar sehr neu für mich, doch sie tat mir richtig gut. Die Herausforderungen der Selbstständigkeit machen wir unglaublich viel Spaß. Ich verdiene mein Geld damit, Basketball zu spielen, habe aber darüber hinaus noch entsprechende Zeit, um mir weitere Dinge anschauen und aneignen zu können. Als mir diese Tatsache wirklich bewusstgeworden ist und ich verstanden habe, dass Basketball nicht alles ist, ist es mir unglaublich leicht gefallen, meine Verletzung einzuordnen und entsprechend damit umzugehen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Leute dazu tendieren, das Schlechte in ihrem Leben in den Fokus zu setzen. Wenn ihnen etwas vermeintlich Schlimmes passiert wird es sofort an die große Glocke gehängt. Und wenn es einmal nichts gibt, dann wird sich eben über das Wetter beschwert. Dieser Zwang, negative Sachen zu suchen um etwas zum Aussetzen zu haben, geht mir persönlich auf den Keks. Viele Leute scheinen das Negative in den Vordergrund zu stellen, doch ich verstehe um ehrlich zu sein nicht warum. Ob es Unzufriedenheit im Job oder in einem anderen Bereich ist, oftmals hat man es selbst in der Hand, die Umstände zu ändern. Man lebt sein Leben selbst und kann etwas daraus machen. Vielerorts wird immer nur lamentiert, dabei leben wir in Frieden, haben etwas zu essen und können in Freiheit entscheiden, was wir machen wollen. Jeder kann selbst über sein Leben verfügen, daher kann ich die negative Einstellung, die mir an vielen Stellen entgegenschlägt, oftmals nicht nachvollziehen.

Mir geht es dabei weniger um die Dinge, die jemand in einer solchen Situation vielleicht gesagt hat, sondern vielmehr um die Einstellung, die manche Leute haben. Oft kann man, wenn sie in die Halle kommen, in ihren Gesichtszügen ablesen, ob sie gerade gut drauf sind oder desinteressiert und lediglich physisch anwesend sind. Ich persönlich versuche unabhängig von der Situation mit meinen Teamkollegen zu interagieren, aber es gibt genauso Spieler, die sich dann abschotten. Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, eine positive Stimmung innerhalb eines Teams aufrecht zu erhalten und das Mannschaftsgefüge dadurch entsprechend aufzubauen. Natürlich hat jeder auch mal einen schlechten Tag, aber ich finde es wichtig, dass jeder seinen entsprechenden Beitrag zum Mannschaftsgefüge beisteuert. Wenn mein eigenes Energielevel unter dem der anderen liegt, dann hilft es der Gruppe nicht, wenn ich das nach außen kehre. Ich habe also versucht, mich bewusster darauf zu konzentrieren, dass meine eigene Situation nur halb so schlimm ist und mich dafür aktiver in die Mannschaft einzubringen.

Eins der prägendsten Themen, in das ich mich während meiner Verletzungspause eingelesen habe, ist das Feld der Krypto-Währungen. Mein ehemaliger Mitspieler Jamal Boykin hat nach seinem Karriereende seine eigene Krypto-Firma in den Niederlanden aufgemacht. Über ihn habe ich damals zum ersten Mal von diesem Phänomen gehört, habe mich darüber informiert und habe nur gedacht: „Wow!“ Ich habe mich schon früh mit dem Thema Vermögensaufbau befasst, kümmere mich um meine eigenen Finanzen und mache auch beispielsweise meine Steuererklärung selbst. Das Thema Krypto-Währungen birgt das Potenzial für unsere Generation eine Revolution auf dem Finanzmarkt werden zu können.

Es ist nicht so, als würde ich selbst mein ganzes Geld in Bitcoin investieren, aber ich möchte die Leute auf das Thema aufmerksam machen, da in den Medien oft eine sehr einseitige Berichterstattung stattfindet. Während meiner Verletzung habe ich die viele mir zur Verfügung stehende Zeit genutzt um mich sehr eingehend mit dem Thema zu befassen, habe umfassend recherchiert und konnte mit meinen Strategien sogar ein Influencer-Battle zum Thema gewinnen. Es gibt ja eine Vielzahl unterschiedlicher Krypto-Währungen und wie immer natürlich auch jede Menge Betrüger – man muss also echt aufpassen! Ich gebe auf meinem eigenen Instagram-Kanal immer wieder Tipps zu Themen, die mir auffallen, oder dazu wie sich der Markt in meinen Augen verhält. Es ist wichtig zu verstehen, was hinter diesem Markt steckt, wenn man die Chancen nutzen will.

Ich gebe gerne meine Erfahrungen und Einsichten weiter und teile sie im Familien- und Freundeskreis. Aber auch aus der BBL kamen schon Fragen zum Thema. So hat sich beispielsweise Niels Giffey [Nationalspieler, ALBA Berlin] bei mir gemeldet. Er hat auch investiert und wir haben uns erst per Textnachricht und später dann auch nach unserem Spiel gegen ALBA über das Thema unterhalten. Es war schon cool, auf einmal ein gemeinsames Thema völlig abseits des Basketballplatzes zu haben. Es bildet sich zweifelsohne etwas wie eine eigene Community derer, die sich tiefergreifend mit der Materie beschäftigen. Ob jemals flächendeckend damit bezahlt werden wird bleibt abzuwarten, aber trotz aller kürzlichen Trends ist dieser wachsende Markt ein unfassbar spannendes Thema. Es ist extrem volatil und damit natürlich sehr gefährlich für Leute, die sich nicht auskennen. Deshalb gibt es auch so viele Shitstorms rund um Bitcoin.

Im Endeffekt ist es eine Chance vor allem für diejenigen, die sich bereits jetzt mit dem Thema auseinandersetzen. Ich sehe das Ganze ähnlich wie die Entwicklung der Smartphones beispielsweise. Wer früh dabei war geht heute viel natürlicher und selbstverständlicher damit um als unsere Großeltern, die erst viel später damit angefangen haben. Im Endeffekt werden wir sehen, welche Teile des Aktienmarkts tokenisiert werden, aber Krypto-Währungen können dabei helfen, Anleihen greifbarer zu machen und zu handeln, ohne eine Bank als Mittelsmann zu haben. Jeder kann dezentral sein eigenes Geld in der Hand haben. Das ist eins der zentralsten Elemente, für die die Krypto-Währungen stehen: Selbstverantwortung. Man hat die Freiheit, aber auch die Verantwortung für sein eigenes Geld in seinen eigenen Händen. Das ist es, was mich am Thema Krypto-Währungen so reizt.

Mir ist aufgefallen, wie wenige Menschen sich selbst mir ihren eigenen Finanzen beschäftigen. Viele geben das Thema an andere Leute ab und haben ihr Geld nicht selbst in der Hand. Auch wenn ich in diesem frühen Stadium meiner Karriere vielleicht noch nicht das ganz große Geld verdiene war es mir dennoch wichtig, mich selbst mit diesen Dingen zu beschäftigen und ein Verständnis dafür zu entwickeln. Mir geht es bei meinem Engagement im Bereich Krypto-Währungen gar nicht einmal vorrangig um die Rendite, sondern darum, dabei zu sein und zu lernen. Ich versuche im Allgemeinen so viele Aspekte meines Lebens, die ich selbst kontrollieren kann, auch selbst zu steuern. Das fängt bei der physischen Seite meines Jobs an, schließt aber eben auch genau solche Bereiche wie meinen Umgang mit Verletzungen und meine Finanzplanung mit ein. Unser eigener Verstand und unsere Herangehensweise sind das einzige, das wir selbst wirklich kontrollieren können und wir sollten das Meiste daraus machen, damit unser Leben so läuft wie wir es uns vorstellen. Selbst wenn ich von jetzt auf gleich nie wieder Basketball spielen könnte, hätte ich so viele andere Möglichkeiten etwas aus meinem Leben zu machen, dass ich auch morgen mit einem Grinsen im Gesicht aufstehen würde.

Foto: Christopher Vehrke

Luis Figge
Luis Figge redet nicht wie ein typischer 20-Jähriger. Welcher 20-Jährige macht schon selbst seine Steuern ... und das auch noch freiwillig? Der Guard der Basketball Löwen ist tatsächlich ein Pro Baller mit einem Plan. Wie der aussieht verrät er exklusiv bei Wortathleten.

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