Mission Montana

Billings, Montana. 100.000 Seelen. Yellowstone Country. Vom Highway 90 muss man nur zweimal abbiegen. Nicht unbedingt der Stoff, aus dem Träume gemacht werden – für Nadir Ljatifi allerdings das auserkorene Ziel. Der 3rd Baseman schreibt aus dem Trainingslager im Farmsystem der Cincinnati Reds über seine aktuelle Form, die Rolle von Zahlen und den Einfluss des Directors auf seine sportliche Zukunft.


Das Spring Training war echt super für mich. Ich habe eine super Leistung gebracht, das war top. Den Trainern hat auch sehr gefallen, was ich in der Offseason gemacht habe. Das Feedback, das ich von ihnen bekommen habe ist generell sehr positiv. Sie geben mir zu verstehen, dass ich mich gut entwickelt habe und stärker geworden bin. Allerdings dürfen die Coaches einem gar nicht zu detaillierte Auskünfte geben. Sie dürfen einem zum Beispiel nicht sagen, ob sie planen, einen demnächst in eine höhere Liga zu schicken. Man bekommt lediglich die Möglichkeit in Aussicht gestellt, dass es in Zukunft in eine höhere Liga gehen könnte. Aber tatsächlich bekommt man erst Bescheid, wenn es soweit ist. Die Trainer hier dürfen einem gar nicht so viel über deine Aufstiegschancen sagen, da das vor allem von der Meinung des Directors abhängt.

Der Director kommt ab und zu einmal nach Arizona und schaut sich an, wie die einzelnen Spieler sich entwickelt haben. Aber die Trainer hier im Team müssen täglich und wöchentlich Berichte über uns Spieler anfertigen, die dem Director zur Verfügung stehen. So weiß er wie ein jeder Spieler sich entwickelt hat, wie er gespielt hat und was er verbessern muss. Von den Coaches werden dabei auch individuelle Ziele definiert, die uns in eine Position bringen sollen, in die nächste Liga aufzusteigen. Viel mehr können die Trainer einem aber auch gar nicht sagen. Die Zahlen sind dabei aber keine Garantie. Es kann also sein, dass man die Ziele erreicht oder sogar noch bessere Leistungen bringt und trotzdem nicht hochgeht. Das hängt immer davon ab, wie gut der Spieler vor dir ist.

Letztes Jahr habe ich nicht so viele Hits im Spiel gehabt, daran habe ich also gearbeitet. Ich will den Ball entsprechend öfter ins Spiel bringen, öfter auf die Bases kommen. Ich komme recht oft durch Walks auf die Bases, aber wir arbeiten zur Zeit stark am Hitting. Es gibt natürlich eine Menge von Werten, die deine Verbesserung abbilden können: Batting Average, On Base Percentage, Slugging Average … Es wird also alles gemessen. Wie viele Bälle du schlägst, wohin du sie schlägst … Wenn du einen Batting Average von .300 hast, dann bist du echt gut dabei. Dann ist es wahrscheinlich, dass du hochgeschickt wirst. Das ist aber auch keine Garantie. Es könnte also auch passieren, dass ich .400 oder sogar .450 batte und trotzdem nicht hochgeschickt werde.

Eine solche Situation kann natürlich frustrierend sein. Man kann gute Leistungen bringen aber am Ende des Tages entscheidet der Director, ob man hochgeschickt wird oder nicht. Aber das Thema blendet man einfach aus. Das muss man sogar. Man arbeitet hart weiter und muss vor allen Dingen auch zeigen, dass man nicht aufgibt oder sich hängen lässt. Und das sehen die Verantwortlichen dann auch und bauen dich entsprechend auf. Der Weg im Farmsystem der MLB ist ja relativ klar vorskizziert. Man steigt im Idealfall immer eine Liga auf. Dass ein Spieler eine Stufe auf dieser Leiter überspringt ist möglich, aber extrem selten. Es geht daher darum, konstant seine Leistung zu bringen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln um auf das nächste Level aufzusteigen.

Dieses Jahr ist ja mein drittes Vertragsjahr im System der Reds. Das ist enorm wichtig für mich und ich muss sagen, bisher läuft es echt gut. Ich bin echt zufrieden und spiele sehr gut. Ich spiele sehr oft, bekomme viel Einsatzzeit und bekomme jetzt auch öfter Anfragen von Sponsoren. Ich habe jetzt auch einen Agenten bekommen, der viele Dinge für mich erledigt. Er kümmert sich um das ganze Equipment, Handschuhe, Schläger, Schuhe … Es spart einem eine Menge Geld und ist eine echte Entlastung. Wenn man gut spielt, dann laufen auch einige andere Dinge außerhalb des Spielfelds sehr gut. Ich kann mich zur Zeit also echt nicht beklagen.

Jetzt gerade sind wir ja im Extended Spring Training, also einer Verlängerung des Trainingslagers für die jüngeren Spieler. Hier haben wir die Möglichkeit noch weiter an unseren Fähigkeiten zu arbeiten und uns weiter zu verbessern. Das Ziel dieses Extended Spring Trainings ist natürlich, die Leute zu finden, die man weiter in die höhere Liga nach Billings, Montana schickt bzw. zu klären, welche Spieler noch hier in Arizona bleiben. Das Training Camp geht jetzt noch einen guten Monat und um den 17. oder 18. Juni steht dann das Team fest, dass nach Billings, Montana fliegt und in der Pioneer League an den Start geht. Das ist für mich also der Stichtag, an dem sich vieles für mich entscheidet. Ich hoffe natürlich, dass ich mit nach Montana gehe und vor dort aus hoffentlich auch noch höher!

Foto: Phrake Photography

Nadir Ljatifi
Nadir war der jüngste Europäer, der jemals einen Profivertrag in der MLB unterschrieb. Das stand schon überall in der Zeitung. Doch ein Vertrag in der Major League heißt noch lange nicht, auch dort zu spielen. Oder gar Millionen zu verdienen. Wie der steinige Weg in die Big League aussieht wird Nadir (19) hier immer wieder berichten – direkt und in seinen Worten.

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