The Logo

„Ach der Typ, der mal bei den Lakers war“ … „In der NBA hat er’s nicht geschafft!“ – Basketball Nationalspieler Elias Harris spricht offen über seinen Karriereweg, Timing sowie darüber, was die Silhouette von Jerry West auf dem Trikot wirklich wert ist.


So sehr sich das auch gleich zu Beginn nach einer Standard-Aussage anhört, aber mit dem Thema NBA beschäftige ich mich aktuell nicht aktiv, sondern bin mit meinem Fokus voll und ganz in Bamberg. Ich weiß ganz genau, dass ich zuerst einmal hier gute Leistungen abrufen und auch in der EuroLeague zeigen muss, dass ich auf diesem Niveau spielen kann. Ich muss nicht nur beweisen, dass ich auf diesem hohen Level mithalten, sondern dass ich auch ein Spiel übernehmen kann. Ich hatte gehofft, davon schon mehr zeigen zu können. Dann wurde ich aber direkt im November von der Verletzung ausgebremst und habe quasi die gesamte EuroLeague-Saison verpasst. Da ist mein Plan nicht so ganz aufgegangen. Ich wollte eine dominante europäische Saison spielen und mich in der Liga so gut wie möglich präsentieren. Ich freue mich daher, dass ich hier in Bamberg verlängern konnte und mich entsprechend auch in der kommenden Saison auf höchstem europäischen Niveau messen kann.

Ich glaube, das Label ‚Ex-NBA-Spieler‘ haftet gar nicht so arg an mir – weder aus der Sicht von anderen Spielern noch von Außenstehenden. Dafür war meine Zeit bei den Lakers wohl auch einfach zu kurz. Ich habe zwar schon früh angefangen, in L.A. zu trainieren, aber aktiv in den Spielbetrieb involviert war ich in der regulären Saison ja nur anderthalb Monate. Wirklich viele haben das daher gar nicht wirklich auf dem Radar, dass ich einmal in der Liga unterwegs war. Wobei man letzteres auch nicht zwangsläufig mit spielerischem Niveau gleichsetzen darf. Wenn man jetzt den Fernseher anschaltet und sich die Spiele anschaut, dann sind da auf den Positionen dreizehn bis fünfzehn stellenweise Spieler dabei, die vielleicht nicht einmal in Europa besonders gut Fuß fassen würden. Ich glaube, dass auch sehr viel Glück und richtiges Timing und nicht nur reines Können dazugehören.

Ich kann an der Stelle natürlich nur für mich selbst sprechen, aber ich war in dem Geschäft unterwegs und habe auch immer wieder Leute aus NBA-Kreisen getroffen, die der gleichen Meinung sind. Natürlich hast du Superstars in der Liga. Deren spielerische Qualität ist einmalig, keine Frage. So etwas sieht man im europäischen Basketball nicht. Die anderen Plätze im Kader müssen aber gefüllt werden und da sind meiner Meinung nach auch immer mal wieder Spieler dabei, die nicht über das große Talent oder Können verfügen, sondern zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren. Spieler, die in eine bestimmte Situation geschlittert sind und ihren Job dann dort auch gut machen. Es gibt auch immer wieder Beispiele für Spieler, die ohne Superstar-Status aus Europa in die NBA gekommen sind und dort grundsolide gespielt haben. Das zeigt einfach, dass die NBA und Europa vom Spielstil vollkommen verschieden sind. So wird der Vergleich schwer und es wird ebenfalls schwer das Label ‚NBA-Spieler‘ final zu bewerten.

Mit dem heutigen Wissen hätte ich sagen müssen: ich gehe nach meinem ersten Jahr!

Natürlich hatte ich einen Vertrag bei den Lakers, doch für mich kommen noch weitere Faktoren dazu. Das Wie und Wann sind ganz entscheidend. Wenn ich mir heute meine Karriere anschaue, dann gibt es da schon ein paar Dinge, bei denen ich denke ‚Naja, das eine oder andere hätte ich heute vielleicht ein bisschen anders gemacht.‘ Von Speyer ans College zu gehen war damals auf jeden Fall die beste Entscheidung. Das bereue ich gar nicht. Was dann keiner erwartet hat, mich eingeschlossen, war, dass ich im ersten Jahr so enorm eingeschlagen habe, dass ich wahrscheinlich ein Lottery Pick gewesen wäre. Da ärgert mich im Endeffekt, dass ich zu naiv war, bzw. vielleicht auch einfach zu wenig Erfahrung in dem Geschäft hatte. Ich hatte gar nicht in Erwägung gezogen, nach einem Jahr schon das College zu verlassen. Für mich war immer klar, das College geht vier Jahre – also bist du auch vier Jahre dort. Erst im Nachhinein ist der Groschen langsam gefallen. Im Basketball geht es natürlich auch zu einem gewissen Teil ums Geldverdienen und vielleicht hätte ich einfach sagen sollen: ‚Wisst ihr was? Ich stecke die paar Millionen ein und beende meine College-Karriere nach dem Freshman-Jahr.‘ Finanziell gesehen hätte ich es machen sollen. Spielerisch allerdings, und von meiner Entwicklung als Basketballer, glaube ich, dass es definitiv die richtige Entscheidung war, nicht zu gehen.

Der finanzielle Aspekt wäre natürlich sehr interessant gewesen. Aber ich glaube, dass ich nach den vier Jahren spielerisch und von meinem Basketball-Verständnis viel weiter war als Freshman. Das sage ich ganz bewusst, da ich mir sicher bin, dass ich nach meinem ersten Jahr zwar ein Lottery-Pick gewesen wäre und einen 3+1-Vertrag [drei Jahre Laufzeit plus Option für das Team um ein weiteres Jahr zu verlängern] bekommen hätte, ich am Ende des Tages aber die meiste Zeit in der D-League verbracht hätte. Ich weiß auch von einigen Scouts, die ich in der Zwischenzeit kennengerlernt habe, dass sie der gleichen Meinung sind. Finanziell wäre der garantierte Vertrag also rentabel gewesen, spielerisch aber definitiv ein Schritt zurück.

Wenn ich mich jetzt in eine Zeitmaschine setzen würde, dann würde ich mit dem heutigen Wissen sagen: ich gehe nach meinem ersten Jahr. Der finanzielle Faktor ist einfach riesig. Und wenn ich bedenke, dass ich einfach ein paar Millionen auf dem Konto liegen haben könnte, dann wäre das sicherlich auch ein großer Push für die Zukunft gewesen. ‚Ausgesorgt’ ist zwar so ein abgelutschter Begriff, aber es wäre ein großer Schritt in Richtung Altersvorsorge.

Froh, dass ich geblieben bin!

Wenn ich die spielerische Seite betrachte, bin ich froh, dass ich geblieben bin. Es ist ja nicht nur so, dass ich meinen Bachelor gemacht habe, sondern ich habe natürlich auch Freundschaften geknüpft und bin Teil einer Community geworden. Nach einem Jahr hätte man das in dem Ausmaß sicherlich nicht gehabt. Zuletzt beim Final Four hat man gesehen, was es bedeutet, Alumni einer Schule zu sein. Das ist für jemanden, der das nicht selbst miterlebt hat, schwer nachvollziehbar. Dieses Gefühl und diese Zugehörigkeit, die hast du einfach nicht, wenn du nach dem ersten Jahr gehst. Das ist etwas, das ich auf keinen Fall missen möchte.

Als meine Zeit bei den Lakers beendet – und ich natürlich jünger und naiver– war, habe ich gedacht: ‚Da spielst du ein Jahr hier in Deutschland und dann geht es wieder in die NBA.‘ So tickt die Uhr aber nun einmal nicht. Deshalb habe ich mir für eine potentielle Rückkehr auch keinen Zeitrahmen gesetzt. Wenn es jemals noch einmal funktionieren sollte, dann schön. Wenn nicht, sage ich auch nicht, dass meine ganze Karriere Schrott ist. Wenn ich einmal ein, zwei gute Jahre habe, in denen ich verletzungsfrei bin und meinen besten Basketball spielen kann, dann ergibt sich ja vielleicht eine erneute Möglichkeit. Wenn es passiert, passiert’s und wenn es nicht passiert, dann ist es auch ok. Davon geht die Welt nicht unter.

Ohne mich selbst unter Druck zu setzen will ich natürlich das Beste aus mir rausholen und alles versuchen. Daher muss mein Knie in erster Linie wieder 100%ig fit werden, damit ich nächstes Jahr eine gute Saison in der BBL und – eine Qualifikation dafür vorausgesetzt – auch in der EuroLeague spielen kann. Was dann passiert, weiß keiner. Vielleicht sagt irgendwann nochmal ein Team: ‚Das ist genau so ein Rollenspieler, wie wir ihn suchen. Er passt genau rein‘. Man weiß es ja nicht. Aber darauf will ich mich gar nicht versteifen. Ich versuche, so abgedroschen es auch klingt, einfach den Moment zu genießen und Spaß an dem zu haben, was ich tue. Ich glaube das ist enorm wichtig, es nicht als Pflicht zu sehen, sondern mit Spaß und Passion zu Werke zu gehen. Ob es damit in diesen Playoffs noch etwas wird, das weiß aktuell allerdings wohl nur mein Knie…

Foto via Brose Bamberg.

Elias Harris
Der 28-jährige Power Forward von Brose Bamberg ist 32-facher Nationalspieler und fand seinen Weg über die Gonzaga University sowie Los Angeles Lakers in die BBL. Aktuell arbeitet er an seinem Comeback von einem Knochenödem im Knie.

Ähnliche Artikel

Die unsichere Kugel ProA? Kennt er! Aufsteigen? Kann er! Label sind für den neuen Trainer der Rheinstars Köln schnell gefunden. Aber wie sieht der Coach selbst das äußers...
Vom Pott in die Majors Dass Nadir der jüngste Europäer war, der jemals einen Profivertrag in der MLB unterschrieb stand schon überall in der Zeitung. Doch ein Vertrag in der...
Der Kampf mit meinem Körper Frauen und Kleidersorgen stehen im Klischee-Lexikon auf Seite 1. Doch wenn man an der Startlinie mehr mit dem eigenen Outfit als mit den nächsten 100 ...