Traum(Tor)Jäger

Drei Tore in den ersten zwei Einsätzen bei den Profis – viel besser hätte man Okyere Wriedts Einstieg beim FC Bayern München selbst am Reißbrett nicht entwerfen können. Der Neuzugang der U23 über seinen Wechsel nach München, die ersten Partien mit Ribéry & Co. und ehrgeizige Ziele.


Mein ursprüngliches Ziel diesen Sommer war es, eine Liga höher zu wechseln, dementsprechend habe ich mir die Angebote verschiedener Teams angehört. Mitte Juli kam dann das Angebot vom FC Bayern. Einer der größten Vereine Europas, eine Top-Adresse mit einem super Umfeld. Das Angebot habe ich mir dann natürlich genauer angesehen und habe mich mit dem Leiter des Jugendbereichs und dem Trainer der U23 Mannschaft getroffen. Die beiden haben mir eine vielversprechende Perspektive aufgezeigt und mir das Gefühl gegeben, dass sie zu 100% hinter mir stehen und von mir überzeugt sind – was für mich eine wichtige Grundlage für den Vereinswechsel war. Es hat alles gepasst und sie konnten sich dann zum Glück mit meinem vorigen Verein, dem VFL Osnabrück, einigen, sodass der Wechsel geklappt hat. Zuvor hatte es schon Gespräche mit mehreren Zweitligisten gegeben, die aber nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Zunächst bedeutet der Wechsel natürlich, dass ich nicht eine Liga höher, sondern eine Liga tiefer, in der Regionalliga, spiele. Aber ich habe eine super Perspektive, weil der Profikader des FC Bayern mit der kleinste der Liga ist und auf meiner Position, im Sturm, im Profibereich aktuell nur sehr wenige Spieler im Kader stehen. Bei einigen Bundesliga-Klubs ist es gang und gäbe, dass sie sogar vier oder fünf Stürmer im Kader haben, aber beim FC Bayern sind es im Moment nur ein oder zwei. Das heißt, dass ich mit guten Leistungen potentiell schnell auf mich aufmerksam machen und eventuell hochrutschen könnte. Vielleicht kann es hier schneller gehen, als bei anderen Vereinen. Ich erwarte nicht, dass ich mich kurzfristig gegen die Weltklassestürmer durchsetzen werde, aber alleine durch das Training mit ihnen kann ich sehr viel lernen, mich weiterentwickeln und verbessern.

Ich bin jetzt seit ungefähr einem Monat beim FC Bayern München und durfte schon vier oder fünfmal mit den Profis trainieren und konnte auch schon bei zwei Testspielen mitmachen. Als Spieler der U23 Mannschaft trainiert man regelmäßig oben mit und jeder bekommt mal seine Chancen, besonders wenn Länderspielpause ist und viele vom Profikader wegfallen. Oft trainieren die U23 und die Profis auch zeitgleich an der Säbener Straße, wo es dann automatisch zum regelmäßigen Austausch mit den Profis kommt.

Auf dem Feld mit Neuer, Ribéry & Co.

Das erste Testspiel war dabei in Coburg und es war am Anfang schon etwas Besonderes, mit solchen Weltklassespielern auf dem Platz zu stehen. Aber ich bin so an die Sache gegangen, dass es auch nur ein Fußballspiel ist und man Spaß haben und nicht zu sehr darüber nachdenken sollte, mit wem man zusammenspielt. Ich habe versucht, befreit aufzuspielen und die Momente zu genießen. Das sind Erfahrungen, die nicht sehr viele machen können und die einen als Spieler reifen lassen. Der größte Effekt dieser Spieler liegt in ihrer Fähigkeit, das Spiel – und in meiner persönlichen Situation auch mich – zu beeinflussen. Zum Beispiel Ribéry, der mich mit seinen überragenden Dribblings so gut in Szene setzen kann, dass mir das am Ende noch zu Gute kommt. Solchen Spielern schaut man natürlich gerne zu und spielt auch gerne mit ihnen zusammen. Aber während der Partie denkt man nicht so sehr daran, dass es dieser oder jener Spieler ist, den man für seine Fähigkeiten bewundert.

Dass ich im zweiten Testspiel dann direkt zwei Tore geschossen habe … besser hätte es nicht laufen können! Man nimmt sich natürlich gewisse Dinge vor und versucht, die Aufgabe, die man vom Trainer bekommt, zu erfüllen und sein bestmöglichstes Spiel abzuliefern. Es hat mich selbst sogar ein kleines bisschen gewundert, dass es so gut lief. Aber natürlich habe ich mich auch gefreut, dass ich so auffallen konnte. Die Kulisse war überragend! 20.000 Zuschauer! Das kenne ich bisher auch noch nicht, dass man vor so vielen Leuten spielt. Es war einfach ein rundum gelungener Abend!

Kurzfristig möchte ich primär natürlich der U23 dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen. Und wenn es möglich ist, möchte ich mit guten Leistungen auf mich aufmerksam machen, um eventuell mit Einsätzen im Profikader belohnt zu werden. Ich weiß, dass das ein langer Weg ist, aber hier sind alle Möglichkeiten gegeben. Das Besondere ist, dass man hier auch sehr stark individuell gefördert wird, was in anderen Klubs nicht so möglich ist, weil die Zeit und auch das Personal dafür einfach nicht da sind. Der Trainer schaut sehr intensiv auf die Entwicklung, damit ich mich als Spieler verbessern und weiterentwickeln kann.

Mittelfristig würde ich natürlich gerne mal in der Allianz Arena auflaufen! Ich war gegen Leverkusen das erste Mal im Stadion und es war überragend. Wenn ich das ganze Drumherum sehe … die Fans und die Stimmung, das gehört ja in der Allianz Arena zum Alltag. Diese Emotionen will ich natürlich mal auf dem Platz erleben. Da ich sehr mit meiner Heimat verbunden bin, wäre es schon sehr schön, soweit auf mich aufmerksam zu machen, dass ich einmal für die Nationalmannschaft von Ghana in Frage kommen würde. Das sind schon hohe Ziele, die ich mir gesteckt habe. Aber ich glaube es ist gut sich solche Ziele zu suchen, weil man dann entsprechend arbeitet, um sie erreichen zu können. Als ich vor zwei Jahren in Lüneburg gespielt habe, habe ich mir auch schon hohe Ziele gesetzt und beschlossen, dass ich nach einem Jahr eine Liga höher spielen will. Das war etwas, wofür mich viele belächelt haben, weil ich dafür von Pauli weggegangen bin und Lüneburg eher ein kleinerer Club und auch nicht einer der stärksten in der Liga war. Aber ich glaube, mit hohen Zielen motiviert man sich automatisch mehr und erreicht schlussendlich auch mehr.

Fotos: fcbayern.com

Okyere Wriedt
Mit drei Toren bei seinen ersten beiden Einsätzen mit den Profis gelang Okyere Wriedt quasi der perfekte Einstand beim FC Bayern München. Bei Wortathleten.de erzählt der Stürmer der U23 von seinen nächsten Schritten auf dem Weg zur Realisierung seines Traumes 1. Fußball-Bundesliga.

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