Vom Pott in die Majors

Dass Nadir der jüngste Europäer war, der jemals einen Profivertrag in der MLB unterschrieb stand schon überall in der Zeitung. Doch ein Vertrag in der Major League heißt noch lange nicht, auch dort zu spielen. Oder gar Millionen zu verdienen. Wie der steinige Weg in die Big League aussieht wird Nadir (19) hier berichten – direkt und in seinen Worten.

Die Rückseite meiner Baseball-Karte

Ich habe mit sieben angefangen in Dortmund Baseball zu spielen. Da habe ich auch schon das erste Mal in Auswahlmannschaften gespielt. So ging es immer weiter. Mit 13 bin ich dann das erste Mal in der Nationalmannschaft aufgelaufen. Mit 14 oder 15 kam der Wechsel auf’s Sportinternat in Paderborn für ein Jahr und vor zwei Jahren habe ich meinen Profivertrag bei den Cincinnati Reds unterschrieben.

Auf dem Internat in Paderborn waren schon echt viele Scouts da und haben bei den Tryouts zugeschaut. Da waren viele Leute an mir interessiert. Das Fiese ist: Die sagen dir ja nicht, wenn sie kommen. Die sitzen dann einfach da. Du musst also immer performen, denn es könnte ja ein Scout auf der Tribüne sitzen. Ich hatte das Glück, dass der Internatsleiter in Paderborn Scout bei den Reds ist. Dadurch war immer jemand da, der mich beobachtet hat und Berichte für die amerikanischen Teams verfasst hat.

Schon als Kind, als ich angefangen habe, war es mein Ziel einmal in die MLB zu kommen. Als ich dann die Angebote von den Internaten in Paderborn und in Regensburg bekommen habe, wurde die Sache schon etwas ernster. Ich habe gemerkt, dass da etwas gehen könnte. In Paderborn war es dann noch einmal deutlicher. Scouts und Trainer, die dich sehen wollen, geben dir natürlich auch entsprechendes Feedback. Du bekommst gesagt, woran du arbeiten musst und was du besser machen musst, um den nächsten Schritt zu machen.

Der viel zitierte Schritt nach Amerika

Vor zwei Jahren habe ich meinen Profivertrag unterschrieben und spiele seitdem in der Rookie-League (AZL). Das härteste ist dabei, an Gewicht zuzulegen und das Gewicht auch zu halten. Bei der Hitze in Arizona und durch den Sport, den wir von morgens bis abends treiben ist das nicht leicht. Das ist eine große Hürde. Es ist was Anderes, wenn du sechszehn bist und versuchst, mit einem Dreiundzwanzigjährigen mitzuhalten. Das ist ganz klar ein Unterschied. Das waren die einzigen Hürden. Ansonsten war eigentlich alles cool.

Von Deutschland in die USA zu gehen ist schon ein großer Sprung. Das ist schon eine ganz andere Nummer. Man muss sich einfach reinfinden, muss sich an die Sachen gewöhnen. Das ging bei mir relativ schnell. Aber es gab schon eine Anpassungsphase, in der ich mich an die Physis und die Geschwindigkeit des Spiels gewöhnen musste.

Jetzt gerade bin ich noch in Deutschland während der Offseason. Im März muss ich dann wieder rüber nach Arizona zum Trainingslager. Generell geht es dann erst einmal darum, ein gutes Spring Training zu haben und gesundzubleiben. Das ist ganz wichtig! Und ich will versuchen eine Liga hochzukommen. Das ist mein Ziel für dieses Jahr.

Spring Training

Ab März gibt es für mich sieben Tage die Woche volles Programm. Die ganze Woche. So geht es für vier bis fünf Wochen. Wir trainieren dabei von sechs Uhr morgens bis vier oder fünf am Nachmittag. Manchmal geht’s auch länger. Zwischendurch gibt es natürlich eine Mittagspause um auch einmal etwas zu essen, aber ansonsten dominiert das Training. Wenn die Trainer sehen, dass jemand noch extra Einheiten machen kann oder soll, dann bekommt man noch Extratraining im Anschluss an die regulären Einheiten mit der Mannschaft. Das geht dann auch noch einmal ein Bisschen länger. In den ersten zwei Wochen des Spring Trainings spielen wir noch nicht. Da gibt es lediglich Training. Nach den zwei Wochen hat man dann nach dem Training noch drei Spiele in der Woche. Es gibt Phasen, da hast du jeden Tag Training und abends noch ein Spiel.

Mental muss man echt stark sein, um das alles durchzumachen. Das ist schon eine Belastung. Wenn du in Arizona bist und jeder will sozusagen deinen Job haben. Jeder wartet nur darauf, dass du den einen Fehler machst, den du nicht hättest machen dürfen, damit sie selbst besser aussehen. Aber physisch ist es auch schon echt anstrengend, versteh mich nicht falsch.

Für meine Zeit in Deutschland, während der Offseason, bekomme ich einen Trainingsplan vom Team und den musst du abarbeiten. Zwischenzeitlich werden die Resultate abgefragt und dann musst du einen Zettel ausfüllen, auf dem notiert wird welche Gewichte du zurzeit stemmst und den Zettel musst du dann zur Kontrolle ans Team schicken. So behält das Team deine Fortschritte im Auge, auch wenn du nicht vor Ort bist.

2017 wird eine ganz, ganz wichtige Saison für mich!

Ich habe für fünf Jahre bei meinem MLB Team unterschrieben und bin jetzt für zwei dabei. Nach dem dritten Jahr kann das Team sagen ‚Wir sehen keine Verbesserung bei dir.’ oder ‚Die Fortschritte, die du zeigst, sind nicht gut genug.’ und dann können sie dich entlassen. Das ist schon krass. Daher ist das dritte Jahr immer das Wichtigste – bei jedem Spieler. Einen konkreten Zeitplan habe ich mir dabei für die Saison aber eigentlich nicht gesetzt. Der wird eigentlich durch die Vertragsstruktur vorgegeben. Auch auf statistischer Seite macht es für mich nicht allzu viel Sinn ganz bestimmte Werte ins Auge zu fassen, da auch die keine Garantie für irgendetwas sind. Ich muss auf ganzer Breite mit meinem Spiel überzeugen um meinen Vertrag über das dritte Jahr hinaus zu verlängern und den Sprung zu schaffen.

Dabei möchte ich die Leute mitnehmen in meine Saison 2017 und sie näher ranführen. Vielleicht können so auch Menschen, die sich nicht täglich mit Baseball beschäftigen, einen Einblick bekommen, was mich in der Saison erwartet. Ich will kein langweiliges Tagebuch schreiben, sondern immer wieder von größeren Momenten berichten. Ich melde mich vom Spring Training!

Alle Fotos via Nadir Ljatifi

Nadir Ljatifi
Nadir war der jüngste Europäer, der jemals einen Profivertrag in der MLB unterschrieb. Das stand schon überall in der Zeitung. Doch ein Vertrag in der Major League heißt noch lange nicht, auch dort zu spielen. Oder gar Millionen zu verdienen. Wie der steinige Weg in die Big League aussieht wird Nadir (19) hier immer wieder berichten – direkt und in seinen Worten.

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