Wechsel zum Vizemeister

Seit wenigen Minuten ist es offiziell: Karsten Tadda wechselt von ratiopharm ulm zu den EWE Baskets Oldenburg. Hier blickt der 28-Jährige exklusiv zurück auf eine turbulente Spielzeit 2016/17 und nach vorne auf die neue Herausforderung in der kommenden Saison.


Ich bin Ulm als Team und den Fans sehr dankbar, freue mich aber jetzt entsprechend auf die neue Herausforderung in der kommenden Saison. Ich sehe in dem Wechsel natürlich auch die Chance, den nächsten Schritt zu machen. Der Wechsel vor anderthalb Jahren von Bamberg nach Gießen war mit das Beste, was ich in der Situation hätte machen können. Ich denke, das hat man auch an meiner Spielweise und meiner Entwicklung in den letzten anderthalb Jahren gesehen. Ich bin sicherlich viel selbstbewusster auf dem Platz geworden und habe dadurch in meinen Augen mein Spiel definitiv verbessert. Nach Ulm zu gehen war dann in der Folge ebenfalls die goldrichtige Entscheidung, mit der ich auch im Nachhinein vollkommen zufrieden bin. Zu einem Verein zu wechseln, der sicher mit den Playoffs planen konnte und Ambitionen hatte, um einen Titel mitzuspielen, war das Beste was ich machen konnte. Jetzt geht der Weg eben weiter und ich bin zuversichtlich, dass die Entwicklung auch in Oldenburg eine positive sein wird.

Wir dachten natürlich: Dieses Jahr geht was.

Wenn man die Saison 2016/17 als Ganzes betrachtet war natürlich irgendwo erfolgreich, aber es wäre sicherlich mehr drin gewesen. Wir haben zwar die reguläre Saison als Erster abgeschlossen, aber davon kann man sich – ganz offensichtlich – auch keinen Titel kaufen.

Natürlich hat niemand damit gerechnet, dass wir so eine Saison spielen und so lange ungeschlagen bleiben. Und es hat mit Sicherheit niemand damit gerechnet, dass wir Bamberg zweimal schlagen oder dass wir in München gewinnen, obwohl Tim [Ohlbrecht] sich in dem Spiel verletzt und Per [Günther] gar nicht erst dabei ist. Das waren Spiele, bei denen keiner erwartet hat, dass wir das so durchziehen können. Und nachdem all diese Sachen passiert sind entwickelt sich natürlich auch die Erwartungshaltung. Da glaubt man dann schon, dass dieses Jahr was geht. Wie Per schon gesagt hat, wenn man am Anfang der Saison nicht bei Adam und Eva anfangen muss und nur einzelne Spieler dazukommen, die den Basketball auch noch gut verstehen, dann macht es die Sache natürlich viel leichter. Dadurch waren auch die Erwartungen bei uns Spielern ziemlich hoch.

Der erste herbe Rückschlag war dann natürlich, dass wir nicht beim TOP FOUR dabei waren, als wir dieses miserable Spiel in Ludwigsburg hatten. Das hat uns schon einen kleinen Knacks gegeben, als wir realisiert haben, dass wir den ersten möglichen Titel schon einmal gegen die Wand geklatscht haben. In den Playoffs wieder – über fünf Spiele – gegen Ludwigsburg zu gehen war extrem anstrengend und hat uns viel Kraft gekostet. Die Serie gegen Oldenburg ist für uns auch sehr schwer geworden. Am Ende ist uns schon ein Bisschen die Luft ausgegangen. Vor allem Jungs wie Ray [Morgan] und Aug[ustine Rubit], die Tims Verletzung kompensieren mussten, oder Chris [Babb], der nach DaSean [Bulter]s Verletzung unglaublich viel spielen musste, hatten es natürlich nicht leicht. Ich glaube aber, dass das Thema ‚Schonen am Ende der regulären Saison‘ sich gar nicht stellt. Hätten wir am Ende den Fuß vom Pedal genommen, so wären wir vermutlich Zweiter oder Dritter geworden, denn am Ende wurde es ja echt noch einmal knapp. Die Frage stellt sich für mich rückblickend also gar nicht. Und Oldenburg hat aber auch eine Mega-Serie gegen uns gespielt, das muss man sich eingestehen.

Eine prägende Saison mit unrühmlichem Ende

Man ist schon enttäuscht über das Ende eines Jahres, das in der regulären Saison ja so gut gelaufen ist. Wir haben uns teamintern nicht gesagt, wir müssen Meister werden. Aber wir haben schon gedacht, dass das Finale drin ist. Das Thema Finale ist aber, glaube ich, von den Medien auch sehr stark gepusht worden. Das kann natürlich gefährlich sein, weil sich dadurch eben auch Druck aufbauen kann. Aber kaufen können wir uns am Ende nichts davon. Wenn man in Zukunft zurückschaut, reden eigentlich alle über den deutschen Meister und fragen sich dann, was war eigentlich mit Ulm los? Daher ist die Enttäuschung über das unrühmliche Ende natürlich schon immer noch da.

Es ist schwer zu sagen, ob das eigene Bild der Saison unbedingt positiver wird, je mehr Zeit vergeht. Natürlich gibt es positive Erinnerungen und schöne Momente, keine Frage! Wir haben viele Spiele gewonnen und einen neuen Rekord aufgestellt. Aber man betreibt den Sport natürlich auch, um etwas zu gewinnen. Am Ende überwiegt – zumindest jetzt noch – die Enttäuschung, denn wir hatten echt eine gute Truppe zusammen. Das ist etwas, was man einfach nicht jedes Jahr hat.

In Oldenburg den nächsten Schritt machen!

Konkrete Gedanken, wie ich die neue Saison angehen werde, habe ich mir noch keine gemacht. Ich habe mich natürlich extrem über das Angebot gefreut und auch darüber, dass das Angebot so schnell kam. Das zeigt einem als Spieler natürlich auch, dass der Verein großes Interesse an einem hat. Ich denke, dass die Mannschaft – wie sie es jetzt bewiesen hat – eine ist, die unter die ersten Vier in Deutschland gehört und die auch jedes Jahr die Möglichkeit hat, oben mitzuspielen und vielleicht sogar auch einen Titel zu gewinnen. Und das sind im Kern meine Ambitionen. Ich möchte bei einem Verein mitspielen, der das Potential hat, Titel zu gewinnen. Ich übe den Sport aus, um etwas zu gewinnen und alles andere wäre im Moment eigentlich uninteressant.

Über meine Rolle in Oldenburg hat man mir gesagt, dass sie ähnlich ausfallen wird wie in Ulm, aber der Coach wünscht sich von mir noch mehr Verantwortung und mehr Input. Das hat mich natürlich gefreut, denn ich glaube, dass ich auch in dem Jahr in Ulm gezeigt habe, dass ich mehr als der klassische 3D-Spieler bin, der hinten verteidigt und vorne den offenen Dreier trifft. Ich denke, dass ich mein Spiel im Pick-&-Roll verbessert habe und auch wieder besser und selbstbewusster zum Korb ziehe. Da hat mir das Jahr in Ulm zweifelsohne geholfen, auch weil ich für das Team viele Crunchtime-Minuten gehen durfte. Und diese Entwicklung möchte ich in Oldenburg entsprechend auch weiter vorantreiben, will mich einbringen und vorne wie hinten dabei helfen, Spiele zu gewinnen.

Karsten Tadda
Karsten Tadda ist einer der meist-dekorierten deutschen Basketballer der letzten Jahre (5 Meisterschaften, 3 Pokalsiege). Auf www.wortathleten.de schreibt der 64-malige deutsche Nationalspieler exklusiv über den nächsten Schritt seiner Karriere.

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